![]() Zauberhaft präzise Seit rund zwölf Jahren sind Gräser Hauptthema der Kunst von Cornelia Genschow, 37. 2008 entdeckte die Künstlerin als Rondo-Stipendiatin das Museum der Wahrnehmung, für das sie nun das Projekt „Ein Dach voll“ entwickelte. ![]() Naturverbunden Eine ihrer umfangreichsten Arbeiten realisierte Cornelia Genschow 2008 an prominenten Ort. ![]() An die Natur Die Ausstellung "An die Natur" beginnt schon hier draußen. Ganz im Sinne des Erfinders, oder besser der Leiterin der Altana Kulturstiftung, Andrea Firmenich ![]() Gras als Kunstobjekt Bad Homburg. Als im Mai die Gräser auf der Wiese unterm Schloss in voller Blüte standen, ist Cornelia Genschow ausgezogen, um 19 verschiedene Pflanzen auszuwählen und daraus Graffiti-Kunstwerke zu machen, die nun als Installation in einem eigenen Raum im Sinclair-Haus gezeigt werden. ![]() Hommage ans Gras Zunächst unscheinbar, bei näherer Betrachtung am eindrucksvollsten ist der von Cornelia Genschow gestaltete Themenraum "Icons Schlosspark". ![]() Gras zum Leben erwecken Osterath. Gras lebt. Zumindest gewinnt man den Eindruck, wenn der Wind die Halme beugt, wenn Regentropfen an dem glänzenden Grün herabperlen oder gar Fußballerbeine darauf herumtrampeln und den Rasen einen Tod erleiden lassen. ![]() Kraken und andere Schreckgespenster "Grasblau" nennt Cornelia Genschow eine erdichtete Farbkombination, die in jedem ihrer naturnahen Gemälde mit neuer Farbendynamik aufgeladen wird. ![]() Die Kunst ist überall Über dreißig Baustellen sind Anfang dieser Woche aus dem Boden geschossen und in Windeseile wieder aus der Bonner Innenstadt verschwunden. ![]() Spurensuche in Zugliget von Ulla Thiede ![]() Irgendwo zwischen Himmel und Erde Vechta (sbo) – Die Kraft des Lebendigen, Bewegungen zwischen Himmel und Erde und das künstlerische Treffen zweier Kontraste bestimmen die Werke des Ehepaars Cornelia Genschow und Samo Skoberne. Freitag wurde ihre gemeinsame Ausstellung "Vivat" im Vechtaer Kaponier eröffnet. ![]() Dialog mit der Natur – Cranach-Preisträgerin stellt aus Als im Jahr 2001 mit Blick auf Landesgartenschau der vierte Lucas-Cranach-Preis der Stadt Kronach zum Thema "Natur" ausgeschrieben wurde, beteiligten sich mehr als 500 Bewerberinnen und Bewerber mit ihren künstlerischen Beiträgen.
![]() Zauberhaft präzise Die in Dresden geborene Cornelia Genschow arbeitet seit Jahren mit Gräsern als Hauptthema ihrer Kunst Graz. Seit rund zwölf Jahren sind Gräser Hauptthema der Kunst von Cornelia Genschow, 37. 2008 entdeckte die Künstlerin als Rondo-Stipendiatin das Museum der Wahrnehmung, für das sie nun das Projekt "Ein Dach voll" entwickelte. "Ich dachte, ich werde viele Grasarten auf dem MuWa-Dach finden", erzählt Genschow. Gefunden hat sie lediglich zwei. Aber 28 andere Pflanzen, vom Moos bis zum Ahorn. Einen Fund konnten auch die Experten nicht eindeutig bestimmen: "Offenbar eine Einkreuzung." Je ein Exemplar nahm sie ins Atelier mit. In einem aufwendigen Prozess wurden dort Folien erstellt, mit deren Hilfe alle 30 Gewächse im Oktogon des Museums als Schattenbild an die Wände übertragen wurden. Und nun einen so präzisen wie poetischen Fries zum Thema Natur und Kunst bilden. In einem Zyklus wunderbarer Heliogravüren nehmen von der Künstlerin nach allen Regeln der Herbarisierung behandelte Gräser einen fast kalligrafischen Charakter an. Kunst und Wissenschaft ergänzen einander im Ästhetischen, gehen über vordergründig Dekoratives aber hinaus. ![]() Naturverbunden Eine neue Produzentengalerie versucht sich in Bonn: Mit ihrem feinen Gespür für natürliche Strukturen und einem damit korrespondierenden Programm präsentieren sich die Malerin Cornelia Genschow und der Bildhauer Samo Skoberne alten und neuen Bekannten nun im Bonner Norden. Eine ihrer umfangreichsten Arbeiten realisierte Cornelia Genschow 2008 an prominenten Ort. Sie sprühte eine ganz spezielle Pflanzen-Enzyklopädie auf die weißen Wände im Kunstmuseum Bonn: Graffiti von 100 verschiedenen Gräserarten, die sie zuvor im Botanischen Garten der Uni Bonn selbst ausgegraben, bestimmt, fotografiert und gezeichnet hatte. Das Thema der Grasartenvielfalt passt hervorragend zur parallel stattfindenden Biodiversitätskonferenz in Bonn. Gras ist aber auch das Thema, mit dem sie sich als Malerin quasi ausschließlich beschäftigt und dem sie immer wieder neue Fassetten abgewinnt. Ganz aktuell entstehen Graswaldlandschaften, die an fotografische Makroaufnahmen erinnern. Und da ihr Mann, der Bildhauer Samo Skoberne, ihre Sensibilität für die Natur teilt, lag es nahe, ihren neuen Präsentationsrahmen »Raum für Kunst und Natur« zu nennen. Beide Künstler sind in Bonn keine Unbekannten. Die gebürtige Dresdenerin Cornelia Genschow (*1974) lebt schon seit Jahren in Bonn. Insgesamt stehen 2 Räume für Ausstellungen zur Verfügung, ein großer, mit Glasfront zur Straße hin und ein kleiner, der zugleich als Küche dient. Weiter hinten hat sich Genschow auf ca. 40 qm ein neues Atelier eingerichtet. Samo Skoberne (*1965 in Celje, Slowenien) findet mehr Platz zum Arbeiten in Bornheim. Da ist auch der Kottenforst nicht weit, der das Material für seine Skulpturen liefert. Holz bearbeitet der Künstler entsprechend seiner gewachsenen Strukturen, die ihm manchmal Formen aufzeigen, die er vorher gar nicht skizziert hatte. So entstehen abstrahierte Naturformen. Mal entwickelt sich aus einem Block ein Bündel von kantigen Stäben zu einem filigranen Geflecht. Oder einzelne kolossale Stäbe »wachsen« in freier Natur in die Höhe und unterscheiden sich von ihren wilden Verwandten durch die weiße Farbe, mit der sie gestrichen wurden. Die Neueröffnung der Produzentengalerie fand im November statt. Der erste Gast wird aber erst jetzt präsentiert, der Schweizer Fotokünstler Beat Lippert (*1977). Von ihm sind im Januar Fotos und eine Videoinstallation zu sehen, die den Transport einer korinthischen Säule von Genf über die Alpen bis hin nach Italien ›dokumentiert‹. Der Videoloop zeigt Ansichten zwischen Meer und Horizont und weckt Assoziationen zu den Stimmungslandschaften Caspar David Friedrichs. Die Säulenkopie steht bei Lippert aber für das Rekonstruieren von Kulturgeschichte und zugleich für die Sehnsucht einer immer »unerreichbarer werdenden Natur« (Lippert). Weitere Zusagen befreundeter Künstler liegen bereits vor, was auch nötig ist, denn jeden Monat soll ein anderer Künstler vorgestellt werden. Die beiden Kuratoren sind aber zuversichtlich, dieses Pensum dank moderner Kommunikationsmittel zu schaffen. Die Gäste haben alle medialen Freiheiten, vorausgesetzt, ihre künstlerische Arbeit steht in einem Bezug zur Natur. Also, öfter mal vorbeischauen lohnt sich. Auch außerhalb der Öffnungszeiten, da trifft man Cornelia Genschow vielleicht gerade bei der Arbeit an. ![]() An die Natur Natur wird Kunst. Cornelia Genschow hat 19 Gräser aus dem Schlosspark von Bad Homburg in Graffiti verwandelt. Die Ausstellung "An die Natur" beginnt schon hier draußen. Ganz im Sinne des Erfinders, oder besser der Leiterin der Altana Kulturstiftung, Andrea Firmenich: "Für uns ist das Thema 'Natur' ein Bekenntnis, womit wir durch unsere Aktivitäten auf den Zustand der Welt zu Beginn des 21. Jahrhunderts aufmerksam machen wollen", erklärt sie. Klar, dass das nicht nur "indoor", im Gehäuse eines Museums funktioniert. Auch die Künstlerin Cornelia Genschow hat den Schlosspark für ihre Arbeit genutzt, auf eine andere, nicht weniger eigenwillige Weise: Zarte Binse, Wolliges Honiggras, Hasenpfoten-Segge und 16 weitere Gräser mit ähnlich poetischen Namen hat sie hier, auf einer ungemähten Wiese, gesammelt. Genschow war als diesjährige "Gastkünstlerin" der Altana Kulturstiftung eingeladen, einen Ausstellungsraum im Sinclair-Haus neu zu gestalten. Dafür hat die Künstlerin ihre 19 Gräser zunächst fotografiert, dann gepresst und in einem Buch sorgfältig mit botanischem Namen, Fundort und -dsfadfaatum versehen. Ihr Herbarium mit seinem altertümlichen Charme ist nun in der Mitte des Raumes in einer Vitrine ausgestellt. Nach den Fotos produzierte Genschow originalgroße Folien, aus denen sie Schablonen fertigte; schließlich sprayte sie die Silhouetten der Gräser als Graffiti schwarz an die Wände "ihres" Raumes. Wunderschön sieht das aus – wie ein Schattentheater mit einem Reigen anmutiger Tänzer. Nie zuvor hat man die Wiesenstängel so präzise wahrgenommen: Jeder von ihnen ist nach einem anderen Rhythmus gewachsen und hat seine eigene "Gestik". Genau darum ging es der Künstlerin: "Gras liefert unsere Nahrungsgrundlage auf allen Kontinenten", sagt sie. "Ich habe mir bewusst eine Pflanze ausgesucht, die man eigentlich übersieht. Das unscheinbare Gras spielt eine große Rolle" – und in ihrem Themenraum, den sie "Icons Schloßpark Bad Homburg" getauft hat, endlich einmal sogar die Hauptrolle. ![]() Gras als Kunstobjekt Bad Homburger Woche, 10. September 2009, von Kathrin Staffel [Auszug] Bad Homburg. Als im Mai die Gräser auf der Wiese unterm Schloss in voller Blüte standen, ist Cornelia Genschow ausgezogen, um 19 verschiedene Pflanzen auszuwählen und daraus Graffiti-Kunstwerke zu machen, die nun als Installation in einem eigenen Raum im Sinclair-Haus gezeigt werden. Dieses Privileg verdankt sie ihrem Status als "Künstlerin in Residence" im Rahmen der Ausstellung "An die Natur – Die Natur im Spiegel zeitgenössischer Kunst", in der einmal im Jahr ausgewählte Werke aus der Altana-Kunstsammlung zu sehen sind. Mit ihrer bescheiden wirkenden Installation "Icons Schlosspark Bad Homburg" will Cornelia Genschow (Jahrgang 1974) "auf eine wenig beachtete, aber für Mensch und Tier lebenswichtige Pflanze" aufmerksam machen, mit der sie sich seit zehn Jahren beschäftigt. Gras umfasst eine große Familie, deren Mitglieder so poetische Namen haben wie Hasenpfoten-Segge, Wolliges Honiggras, Haar-Hainsimse oder Zarte Binse, und deren Erforschung "spannend ist und nie langweilig wird, wie Cornelia Genschow versichert. Zur Bestimmung der gesammelten Gräser, die sie in einem Herbarium ordnet, verlässt sich die Künstlerin auf Botaniker vom Fach und findet "Gleichgesinnte auch in Museen, die es wunderbar finden, dass sich jemand künstlerisch so intensiv mit der Gräserfamilie befasst" – und mit dem, was auch an symbolischer Bedeutung in ihr steckt: Wenn zum Beispiel "Gras über eine Sache wachsen" – oder im Gegenteil nichts zugedeckt und begraben werden soll. Genschow stößt mit ihrer Kunst an die Grenze zu Wissenschaft und Forschung und findet auch dafür Anerkennung. Für ihre Graffitis werden die Gräser, die sie sehr sanft mitsamt der Wurzel ausgräbt, von ihr geformt und abstrahiert, danach in verschiedenen Arbeitsschritten zu Schablonen umgestaltet, mit deren Hilfe sie auch die Graffitis im Sinclair-Haus an die Wand gesprüht hat: Abbilder, Ikonen von Gras, die an geheimnisvolle Zeichen erinnern. In diesem Fall ist ihre Installation zugleich ein Symbol für Werden und Vergehen, denn am Ende der Ausstellung werden die Gräser von weißer Farbe "niedergemäht" und der Ausstellungsraum wieder in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt. Cornelia Genschow steht für den Kreis jüngerer Künstler, auf die die Altana-Kunstsammlung ihr Augenmerk richtet. ![]() Hommage ans Gras Neue Ausstellung im Sinclair-Haus nähert sich der Natur Zunächst unscheinbar, bei näherer Betrachtung am eindrucksvollsten ist der von Cornelia Genschow gestaltete Themenraum "Icons Schlosspark". In der Mitte steht eine Vitrine mit einem Buch, in dem zwei Gräser gepresst sind. Eine davon ist die Zarte Binse (Juncus tenuis) – ein zierliches Gewächs, das Cornelia Genschow am 26. Mai in der ungemähten Wiese neben dem Schloss fand. Neunzehn Grasarten mit zumeist poetischen Namen fand die 35-jährige Künstlerin aus Bonn auf diesen paar Quadratmetern: Draht-Schmiele und Englisches Raygras, Flatterbine, Haar-Hainsimse, Hasenpfoten-Segge und Wolliges Honiggras. Die Künstlerin barg die Pflanzen aus dem Schlosspark, fotografierte sie, produzierte originalgroße Folien und sprayte die Abbilder schließlich schwarz an die Wände des Themenraums im Sinclair-Haus. Die Zarte Binse platzierte Genschow prominent und übergroß rechts neben der Tür. Nirgendwo sonst kommen Gräser so groß raus. Unscheinbarer Schatz Es ist die Mühe wert, findet die Künstlerin. "Gras liefert unsere Nahrungsgrundlage auf allen Kontinenten. Ich habe mir bewusst eine Pflanze ausgesucht, die man eigentlich übersieht. Das unscheinbare Gras spielt eine große Rolle. Es gibt zehntausend Arten auf der Welt". ![]() Gras zum Leben erwecken Natur in Öl – Cornelia Genschow zeigt Malerei im Interior Concept Osterath. Gras lebt. Zumindest gewinnt man den Eindruck, wenn der Wind die Halme beugt, wenn Regentropfen an dem glänzenden Grün herabperlen oder gar Fußballerbeine darauf herumtrampeln und den Rasen einen Tod erleiden lassen. Mag sen, dass Cornelia Genschow die Assoziation mit des Deutschen liebster Sportart nicht sonderlich gefallen würde, dennoch greift sie das auf, was die Künstlerin mit ihren Bildern auszudrücken versucht: "Gras ist allgegenwärtig, spendet Leben. Man muss die Natur als ein Gegenüber und Partner begreifen", sagt die 31-Jährige, die eine kleine Auswahl ihrer Grasbilder jetzt in den Büros von Interior Concept, einer Einrichtungs-Firma im Gewerbegebiet Mollsfeld, präsentiert. "Grasflimmern nennt sie das sechsteilige Wandfries, das den Betrachter zu allererst in seinen Bann zieht. Denn wenn Sonnenstrahlen durch die breite Fensterfront auf die Arbeiten fallen, passiert genau das, was die frei schaffende Malerin so gerne erzwingen würde: dass Gras zum Leben erweckt wird, dass man sich wünscht, den Wachstumsprozess im Schnelldurchgang miterleben zu können. Als im Sommer 1989 den ersten DDR-Bürgern die Flucht in den Westen über die Botschaft in Prag gelang, beschlossen auch die Eltern, sich mit einem Besuchervisum ausgestattet abzusetzen. Cornelia Genschow und ihr 18-jähriger Bruder waren hingegen gezwungen, einen Umweg zu nehmen: Sie fuhren mit einem alten Skoda zur Deutschen Botschaft in Budapest, mussten dort zunächst einige Zeit in einem Sammellager verbringen, ehe es über ein Auffanglager bei Gießen Richtung Düren ging, wo die Familie wieder zusammenfand. Vor drei Jahren besuchte Cornelia Genschow noch einmal jenes Lager in Budapest. "Ich war damals noch so jung, ich habe das nicht als wirklich gefährliche Situation empfunden", sagt sie. Erwachsene dagegen hätten ständig Angst verspürt, dass man sie den ostdeutschen Behörden übergeben könnte. ![]() Kraken und andere Schreckgespenster Atelierhaus. Wechsel in der Dorotheenstraße: Stipendiaten präsentieren sich an diesem Wochenende "Grasblau" nennt Cornelia Genschow eine erdichtete Farbkombination, die in jedem ihrer naturnahen Gemälde mit neuer Farbendynamik aufgeladen wird. Grasblau eingefärbt ist bereits der Estrich der frisch im Bonner Atelierhaus eingezogenen Stipendiatin. Auf großen Leinwänden wölben sich bleigraue Horizonte, auf malerischem Festland wuchert grasblauer Wiesengrund, der im aktuellen Quartett ( "Vier Jahreszeiten") mit kristallinem Raureif behaftet ist. Frisch mit jugendlicher Energie und gleichsam grünen Impulsen aufgeladen ist eine inspirierte Werkstätte, wo jene avantgardistische Elite anzutreffen ist, die längst außerhalb von Bonn auf sich aufmerksam macht. [...] ![]() Die Kunst ist überall Bis zum 28. August hat die "Stadtkunst 2005" die Bonner City im Griff: 31 Künstler präsentieren sich an 27 Orten Über dreißig Baustellen sind Anfang dieser Woche aus dem Boden geschossen und in Windeseile wieder aus der Bonner Innenstadt verschwunden. Das Ergebnis von Bauaktivitäten und Kraftakten mit Hubwagen und Schwertransportern ist ein Kaleidoskop von Installationen, die zusammen das gestern eröffnete Freiluftereignis "Stadtkunst Bonn 2005" zelebrieren. Eine Baustelle, Werkstatt oder ein Labor der bildenden Künste wollte das von CDU-Ratsfrau Christiane Overmans ins Leben gerufene, ehrenamtlich getragene Projekt von Anbeginn sein. Was bislang vier Folgen von "Stadtkunst" (1998, 1999, 2000, 2002) zeigten, sollte ins Auge springen, Neugierde anstacheln, zum Suchen, Anhalten motivieren, Staunen oder kritische Auseinandersetzung auslösen. Zudem geht es der bürgernahen und kommunikativ ausgerichteten Initiative darum, Museums- und Galeriemuffeln Lust auf Kunst zu machen. [...] Vorbei ist offensichtlich das heroische Zeitalter spektakulärer Knüller und aufwendiger Installationen. Innerhalb des City Rings ist tendenziell ein eher solides, ruhigeres Podium für den seriösen Kunstdiskurs mit insgesamt 31 Künstlern anzutreffen. Gewappnet mit dem im Stadtkunst Bonn Info Büro, Altes Rathaus, Raum 0.1., erhältlichen "Kurzführer" ist auch die individuell zusammengestellte Kunstroute kein Problem. Im historischen Rathaus können weite, pittoreske, aus hauchzarten Farbgründen hervorgehende Landschaften bewundert werden – ihren weitgehend abstrahierten "Heimatblick" thematisiert Cornelia Genschow ([...] nominiert vom Kunstmuseum Bonn) aus vier Himmelsrichtungen. ![]() Spurensuche in Zugliget 1989 floh die 14-jährige Cornelia Genschow aus der DDR. 14 Jahre später besucht die heute in Alfter lebende Künstlerin jene Lager in Ungarn, von denen aus die Flucht in die Bundesrepublik möglich wurde von Ulla Thiede Budapest. Sie ist wieder hingefahren, erstmals nach 14 Jahren, wollte im vergangenen Jahr den Ort sehen, dort, in den Hügeln im Nordwesten Budapests, wo ihr Leben eine Wende nahm. Im beschaulichen Viertel Zugliget hat Cornelia Genschow Spurensuche betrieben, betreiben müssen, um sich erinnern zu können an den Sommer 1989, als das reformkommunistische Ungarn die Grenze nach Westen für zehntausende DDR-Flüchtlinge öffnete. Dass gut ein Jahr später am 3. Oktober die deutsche Einheit folgen würde, ahnten damals nur wenige. Das Erinnern fiel der heute 29-jährigen deshalb schwer, weil sie damals erst 14 war und die historische Bedeutung der Ereignisse nicht richtig erfassen konnte. "Zum Glück habe ich das alles nicht verstanden", sagt Cornelia Genschow, die als Malerin in Alfter lebt. Ein Stipendium der Stadt Bonn hatte ihr im vergangenen Jahr einen Aufenthalt in Budapest ermöglicht. Von "Glück" spricht sie, weil sie in ihrer Unwissenheit nicht die Angst teilte, die die anderen DDR-Flüchtlinge empfanden. "Im Lager hörte man immer wieder, man solle sich nicht von der Stasi wegfangen lassen. Aber ich kann mich nicht erinnern, dass es gefährlich war." Pater Imre Kozma hat die meisten seiner Schützlinge anders erlebt. "Sie hatten Angst, dass wir sie den ostdeutschen Behörden übergeben", erzählt der 64-Jährige, heute Chef des Ungarischen Malteser-Caritas-Dienstes, der in jenen turbulenten Wochen für 48 000 DDR-Bürger Unterkunft, Verpflegung, seelische und medizinische Betreuung organisierte. Und natürlich waren die grauen Männer von der DDR-Staatssicherheit auch vor Ort. Kozma weiß, was Repressalien sein können, war der katholische Priester doch von den früheren Machthabern in Ungarn 20 Jahre lang wöchentlich einmal von der Geheimpolizei verhört worden. Als am 13. August 1989, dem Jahrestag des Mauerbaus, die deutsche Botschaft in Ungarn den Pater fragte, ob er sich der DDR-Flüchtlinge annehmen könne, "habe ich sofort Ja gesagt, ohne nachzudenken". Kozma fügt hinzu: "Gut, dass ich nicht nachgedacht habe." Er ließ zahlreiche Kontakte spielen, unter anderem zu den deutschen Maltesern, die am nächsten Tag mit Zelten, Feldbetten, Decken anrückten. "600 bis 700 Leute haben täglich im Lager gearbeitet." Hotels und Gaststätten in Budapest und Umgebung rief Kozma an, um Essen zu organisieren. "Es wurde morgens, mittags und abends geliefert. Niemand fragte nach Geld". Als das erste Lager voll war, wurde ein Zweites eröffnet. Am Ende waren es vier, die bis zu 20 000 Menschen fassen konnten. Cornelia Genschow traf Ende August mit ihrem Bruder aus Dresden kommend in Budapest ein. Die Eltern hatten sich da schon in die Bundesrepublik abgesetzt – während einer genehmigten Besuchsreise im Westen. Der gerade 18-jährige Sohn fuhr mit der Schwester im Skoda nach Ungarn, wo die Familie immer den Sommerurlaub verbrachte. Nur war ihr Ziel dieses Mal nicht der Plattensee, sondern die Botschaft der Bundesrepublik in Budapest, die aber wegen Überfüllung bereits geschlossen war. Seit Monaten – seitdem die Außenminister Ungarns und Österreichs, Gyula Horn und Alois Mock, symbolisch einen Grenzzaun durchgeschnitten hatten – versuchten DDR-Bürger über Ungarn die Flucht nach Westdeutschland. Immer wieder schafften es Ostdeutsche, in den Westen zu kommen. "Die Soldaten haben einfach die Köpfe weggedreht, wenn die Flüchtlinge die Grenze überquerten", erzählt Kozma. Nur wenn es an einem Tag zu viele wurden, schickten die Ungarn die Menschen wieder zurück. Kehrten sie bis nach Zugliget zurück, fanden sie ihre Betten von Neuankömmlingen belegt. Auch Cornelia Genschow und ihrem Bruder ist es so ergangen. Mit dem Vater, der inzwischen mit West-Pass ausgestattet die Kinder in Zugliget besuchte, fuhren sie an die österreichische Grenze, fanden aber keinen Durchschlupf. Von da an hieß es, im Lager auszuharren. Aus der Sicht des Paters wurde aus der spontanen Massenflucht eine "politische Angelegenheit", als die westdeutsche Botschaft in seiner Kirche Büros einrichtete und Reisepässe ausstellte. Das DDR-Regime beobachtete die Entwicklungen wutentbrannt, schickte Konsul Dieter Grahmann nach Zugliget, um die "Republikflüchtlinge" zur Heimkehr zu bewegen. Locken oder einschüchtern ließ sich jetzt aber niemand mehr. Von all den Strapazen der drei Wochen im Lager ist in Cornelia Genschows Erinnerung kaum etwas haften geblieben. Nur eins: Am Eingang des Lagers stand ein Fernsehapparat, um den sich die Flüchtlinge scharten. "Plötzlich hörte ich riesenlaute Glücksschreie. Mir standen die Haare zu Berge und ich bekam eine Gänsehaut." Da hatten die Flüchtlinge erfahren, dass ihr Warten ein Ende hatte. Es war der 10. September. In Zugliget ist Cornelia Genschow auf Spurensuche gegangen, "archäologisches Erinnern" nennt das die Künstlerin. Sie hat das für sich, aber auch für die anderen Flüchtlinge getan, von denen kaum einer in das Viertel in den Budaer Bergen zurückgekehrt ist. Pater Kozma tut das weh. Er hat ein kleines Museum eingerichtet, das vom Leben im Lager zeugt. Cornelia Genschow hat fotografiert und gezeichnet und die "Fluchtstücke" betitelten Arbeiten auf dem Gelände der Kirchengemeine ausgestellt. Bundeskanzler Gerhard Schröder hat Mitte September zum 15. Jahrestag der Grenzöffnung die Gemeinde besucht. Heute sagt die Malerin, die Flucht sei für sie wirklich "ein Wendepunkt" gewesen: "Wer aus dem Osten kommt, ist hier im Westen zufrieden." Dass dies umgekehrt für die im Osten gebliebenen nicht immer gilt, weiß sie. Auch, dass dies bei Westdeutschen zum Vorwurf der Undankbarkeit führt. "Ich versuche, zwischen beiden zu vermitteln. Eine Lösung kenne ich aber auch nicht." ![]() Irgendwo zwischen Himmel und Erde Ausstellung "Vivat" im Kaponier eröffnet Vechta (sbo) – Die Kraft des Lebendigen, Bewegungen zwischen Himmel und Erde und das künstlerische Treffen zweier Kontraste bestimmen die Werke des Ehepaars Cornelia Genschow und Samo Skoberne. Freitag wurde ihre gemeinsame Ausstellung "Vivat" im Vechtaer Kaponier eröffnet. Der Bildhauer Samo Skoberne arbeitet ausschließlich mit Holz. Seine Skulpturen stellen die Grenzsituation zwischen Natur und Kultur dar. "Ich kultiviere zwanglos die Natur", erklärt er. Durch seine Arbeiten bekommt die Natur eine Form. "Ich möchte keine Ideale realisieren, sondern die Realität im Idealen erscheinen lassen", so Skoberne. Für ihn steht nicht das Was, sondern das Wie im Vordergrund. Beim Betrachten seiner Skulpturen hat man das Gefühl, den Arbeitsprozess selbst zu erleben. ![]() Dialog mit der Natur – Cranach-Preisträgerin stellt aus Cornelia Genschows "Grassoden" auf der Landesgartenschau Als im Jahr 2001 mit Blick auf Landesgartenschau der vierte Lucas-Cranach-Preis der Stadt Kronach zum Thema "Natur" ausgeschrieben wurde, beteiligten sich mehr als 500 Bewerberinnen und Bewerber mit ihren künstlerischen Beiträgen. "Grassoden No. 5" lautet der Titel des prämierten Bildes jener jungen Künstlerin, die von der Jury zur Preisträgerin ausgewählt wurde. Eine große Auszeichnung und Ehre für Cornelia Genschow, die am Freitagabend in der Galerie auf dem Gelände der Landesgartenschau ihre Einzelausstellung eröffnete. 1974 in Dresden geboren und 1989 über Ungarn nach Westdeutschland geflüchtet, stillte Cornelia Genschow ihren Hunger nach anderen Ländern mit diversen Reisen in die USA, nach Irland und Großbritannien, bevor sie 1996 mit dem Studium der Malerei begann. Seit 2000 ist sie Freischaffende Malerin. Gruppenausstellungen hatte Cornelia Genschow u. a. in Frankfurt, Köln, Düren, Bonn – und in Kronach. Ein winziger Grasfleck, auf 200 mal 250 Zentimeter ausgedehnt, wurde mit dem Hauptpreis bedacht, weil Cornelia Genschow u. a. dazu anregte, die unscheinbaren Dinge einmal anders zu sehen und wichtig zu nehmen. Das Kleine wird groß, der Betrachter als Gegenüber schrumpft in gleichem Maße. Zu Cornelia Genschows Grassoden, bei deren Entstehungsprozess die Künstlerin den Pinsel teilweise durch Grasbüschel ersetzt und damit die halbflüssige Ölfarbe über die Leinwand treibt, sagt sie selbst: "Gras ist allgegenwärtig, Leben spendend, fraglos. Natur als Gegenüber und als Partner begreifen. Das Ganze mit seinen Verknüpfungen schauen, Verfolgen von Anatomie, Wachstumsprozessen und Gestik – Sehen und Wahrnehmen brauchen Zeit und Geduld." Es hat Symbolwert, Cornelia Genschow für die letzten Tage der Landesgartenschau zu reservieren. Sie wird mit ihren Grassoden auch vom 4. bis 6. Oktober persönlich auf der Landesgartenschau anwesend sein – und ist damit mit ihren Arbeiten inmitten der inszenierten Natur gelandet. Sie sucht damit den Dialog zwischen ihren Arbeiten, ihrer Person als Künstlerin und den Besuchern. Jedes Bild beinhaltet Jahreszeiten, es entstehen Landschaften, die Künstlerin greift so auch die Thematik der Landesgartenschau auf. Sie findet es spannend, über die unterschiedlichen Szenarien und Betrachtungsweisen einzelner Besucher zu sprechen. Nach einem Besuch, dem "Aufsaugen" der einzigartigen Bilder und einem Gespräch wird bewusst, dass es sich bei Cornelia Genschow um eine großartige Malerin und Denkerin handelt, die dabei das Fühlen und Mitfühlen nicht verlernt hat. |





























